Kochöle, Bratfett und Speisereste gelangen täglich in Abflüsse. Im Rohr sinkt die Temperatur schnell – Fett erstarrt und lagert sich an den Innenwänden ab. Die Schicht wächst mit jeder weiteren Portion. Das Ergebnis: verlangsamter Wasserablauf, Geruchsbildung, schließlich vollständige Blockade. In Küchen und Großküchen tritt dieser Zustand schneller ein als erwartet.
Der Schadensprozess: Wie Fett Rohre blockiert
Kochfett verlässt die Pfanne mit 60–80 °C. Bereits nach wenigen Zentimetern im Abflussrohr kühlt es ab – zuerst zähflüssig, dann fest.
Raue Rohrwände und Verbindungsstücke bieten Haftflächen. Jede neue Fettmenge legt sich auf den bestehenden Belag. Der Fettfilm wächst kontinuierlich und unbemerkt.
- Querschnittsverengung durch aufgebaute Fettschichten
- Anlagerung von Speiseresten, Haaren und Kalk
- Schwefelwasserstoffbildung als Ursache fauliger Gerüche
- Fettsäuren fördern Korrosion in Metallrohren
- Im Extremfall: vollständiger Rohrverschluss
Erkennungsmerkmale: Fettablagerungen im Abfluss
Fettverstopfungen entstehen schrittweise. Warnsignale treten oft Wochen oder Monate vor dem vollständigen Verschluss auf.
- Abfluss arbeitet spürbar langsamer als zuvor
- Gurgeln oder Blubbern aus dem Abfluss
- Dauerhafter Geruch aus Abfluss oder Siphon
- Rückstau bei gleichzeitigem Betrieb mehrerer Ablaufstellen
- Grau-gelbliche Beläge im Siphon sichtbar
Fett im Abfluss – relevante Kennzahlen
Sofortmaßnahmen bei Fett im Abfluss – und ihre Grenzen
Kurzfristig selbst durchführbar
- Abfluss durchspülenKochendes Wasser mit Spülmittel langsam eingießen. Wirkt bei frischen, noch weichen Belägen. Bei eingehärtetem Fett kaum effektiv.
- Siphon ausbauen und reinigenSiphon abschrauben, mit heißem Wasser und Bürste säubern. Fettrückstände sammeln sich hier bevorzugt an.
- Saugglocke verwendenLöst lose Verstopfungen. Bei Fettblockaden, die tiefer im Rohr sitzen, bleibt sie wirkungslos.
- Chemische Rohrreiniger meidenHandelsübliche Mittel lösen Fett meist unvollständig. Dichtungen und ältere Rohrmaterialien können beschädigt werden. Bei Unsicherheit: Fachbetrieb beauftragen.
Hausmittel vs. professionelle Reinigung: Vergleich
Was wirkt tatsächlich gegen Fettablagerungen?
Hausmittel & Selbsthilfe
- Geeignet für frische, oberflächliche Beläge
- Kein Spezialgerät notwendig
- Kostengünstig als Erstmaßnahme
- Keine Wirkung bei tiefen Blockaden
- Kein Ergebnis über den gesamten Rohrverlauf
- Keine Dokumentation des Rohrzustands
Professionelle Rohrreinigung
- Hochdruckspülung entfernt Fett vollständig
- Auch tief sitzende Blockaden werden beseitigt
- Kamera-Inspektion zeigt den Rohrzustand
- Präventive Reinigung möglich (Intervallpflege)
- Geeignet für Privat- und Gewerbeobjekte
- Nachweisbar saubere Leitung nach Reinigung
Fettabscheider: Dauerhafte Lösung für Gewerbebetriebe
Betriebe mit regelmäßig hohem Fettanfall – Gastronomie, Gemeinschaftsküchen, Fleischereien – sind in Deutschland gesetzlich zur Installation eines zugelassenen Fettabscheiders verpflichtet.
Fettabscheider trennen Fette, Öle und Schwebstoffe vom Abwasser vor dem Eintritt in den Kanal. Rohrverstopfungen werden vermieden, Bußgelder und Haftungsrisiken ebenfalls.
Fettabscheider – Pflicht und Intervalle nach Betriebstyp
| Betriebstyp | Einbau Pflicht? | Empfohlenes Reinigungsintervall |
|---|---|---|
| Restaurant / Gaststätte | Ja (EN 1825) | alle 4–8 Wochen |
| Gemeinschaftsverpflegung (Schule, Krankenhaus) | Ja | alle 4–6 Wochen |
| Fleischerei / Metzgerei | Ja | alle 2–4 Wochen |
| Imbiss / Foodtruck | Je nach Gemeinde | alle 4–8 Wochen |
| Privathaushalt | Nein | Anlassbezogen |
Richtwerte gemäß DIN EN 1825 und kommunaler Entwässerungssatzungen, Stand 2025
Vorbeugung: Fettschäden in Rohren verhindern
- Bratfett und Speiseöle ausnahmslos im Restmüll entsorgen
- Pfannen und Töpfe vor dem Spülen mit Küchenkrepp abwischen
- Abflusssiebe regelmäßig reinigen
- Siphon alle drei Monate kontrollieren und säubern
- Gewerbliche Küchen: Fettabscheider planmäßig warten lassen
- Präventive Rohrreinigung in festen Intervallen einplanen




